Hab ich schon mal erwähnt, dass ich bei der Zeitung, für die ich viele Jahre als Redakteurin gearbeitet habe, für meine spannenden und aussagekräftigen Titel berühmt war? Man merkt an der Überschrift dieses Artikels: Das ist schon ziemlich lange her 😉 Aber ich schiebe die Unkreativität auf die unerträgliche Hitze, die sich aktuell in der Dachgeschoßwohnung ausbreitet. „Dachgeschoßwohnung?“, fragst du dich? Ja, ich bin wieder zurück in meiner alten Wohnung. „Warum?“, fragst du dich weiter? Weil ich nach dem Besuch eines Rehs in unserem Garten beschlossen habe, dass mir feste vier Wände doch lieber sind als ein Wohnwagen, auf und um den herum sich allerlei Getier versammelt, um nächtens ausgelassene Partys zu feiern.
Nein, das ist ein Scherz. Also das mit der Wohnung. Ich bin nur kurz hier, weil heute die Stromüberprüfung ansteht, damit ich bald ausziehen kann. Wer jetzt allerdings glaubt, die Geschichte mit dem Reh sei lediglich die Folge von Schlafmangel kurz vor der Hochzeit, hier eine diesbezügliche Aussage meines Liebsten vor wenigen Tagen: „Ich weiß jetzt, was meine Aufgabe im Leben ist: Ich werde eine Arche bauen“. Nachdem uns bereits Mäuse, Katzen, Hunde und nun auch Rehe regelmäßig besuchen (ich bin sicher, dass ich vor zwei Tagen einen Waschbären gesehen habe), keine schlechte Idee. Mir wäre nur ganz recht, wenn er damit bis nach der Hochzeit wartet. Außer, wir heiraten auf dem Ungetüm, dann wäre die Sache mit dem Regen auch kein Thema mehr.

Aber ich schweife ab. Warum ich – ich betone ICH – schon wieder einen Blogartikel schreibe, ist vielmehr der Tatsache geschuldet, dass heute einer der wichtigsten Termine in der ganzen Hochzeitsplanung ansteht: Wir haben am Nachmittag das Gespräch mit der besten Traurednerin von allen! Und ich bin ziemlich nervös. Nicht, weil Linda so streng wirkt, sondern weil ich keinen Plan habe, welche Fragen sie uns stellt. Allein jene nach unserem ersten Kuss könnte für Erstaunen oder dezentes Kopfschütteln sorgen. Falls ich es bis dato noch nicht erwähnt habe: Ich habe nach unserem ersten Kuss geweint. Wobei: Das wäre fast untertrieben. Eigentlich habe ich geschluchzt, gerotzt und mich verzweifelt geschüttelt, während neben mir ein H. mit tausend Fragezeichen im Kopf gesessen ist.
Im Nachhinein hat er mir gestanden, dass er einen kurzen Augenblick geglaubt hat, der Kuss hätte mich so umgehauen, dass ich vor Ekstase geweint habe (aus Liebe zu ihm enthalte ich mich hiermit eines Kommentars :-P). Der eigentliche Grund war jedoch die totale Überforderung mit der Situation. Die normale Reaktion eines Mannes wäre vermutlich gewesen, die Autotür (wir hatten unsere ersten zwei Dates im Auto mitten in der Nacht) aufzureißen und mich hochkant rauszuschmeißen, bevor er mit Vollgas abdüst und mich noch während des Fahrens bei WhatsApp blockiert. Hs Reaktion? Er hat mich mitfühlend angesehen, sich zu mir gebeugt und gemeint: „Wenn du meine Schulter zum Anlehnen willst. Hier hast du sie. Ich bin da, solange du mich brauchst“.
Noch Fragen, warum ich es nicht erwarten kann, seine Frau zu werden? ❤







