Blind verliebt

Ich weiß ja nicht, wie es euch so geht, aber es gibt zu Hause zwei Plätze, an denen ich die besten Ideen habe. Einer davon ist die Dusche, der andere bleibt geheim – aber wie ich gehört habe, haben auch andere Menschen an besagtem Ort ab und zu geniale Einfälle. Muss wohl daran liegen, dass es dort wortwörtlich „still“ ist … aber wo war ich? Stimmt, das stille Örtchen. Ebendort ist mir heute eine Episode eingefallen, die ideal für den Blog geeignet ist und die ich dementsprechend unbedingt und umgehend mit unseren Lesern teilen möchte.

Dazu die wesentliche Frage: Wer von euch kennt die grenzgeniale Serie „Love is blind“? Falls es tatsächlich Menschen geben sollte, die davon noch nie etwas gehört, geschweige denn gesehen haben (ihr habt ja keine Ahnung von guter Unterhaltung :-P), hier eine kurze Beschreibung, die euch zeigen soll, was ihr bisher verpasst habt. Die Kurzfassung: Wildfremde Menschen haben Dates und heiraten vielleicht am Ende. So weit, so normal. Das Besondere daran: Besagte Datingpartner sitzen in Boxen und sind die gesamte Zeit durch eine Wand voneinander getrennt. Blind Dates für Fortgeschrittene sozusagen. Wenn man die Stimme seines Gegenübers erträgt und aufgrund seiner Wortspenden auch nicht flüchten möchte, dürfen sich die Männer schließlich auf die Knie schmeißen und ihrer Angebeteten – immer noch, ohne sie je gesehen zu haben – einen Antrag machen. Wohlwissend, dass hinter der Wand auch Fiona aus Shrek auf einen warten könnte. Aber wie heißt es so schön: Auf die inneren Werte kommt es an. Auch wenn das anschließende erste Treffen bei dem einen oder anderen nicht selten für einen wahrhaftigen S(c)hre(c)kmoment sorgt.

Fremde Menschen sitzen in Boxen und reden, getrennt durch eine Wand, tagelang miteinander, um sich schlussendlich vielleicht zu trauen. Da bekommt der Begriff „Blind Date“ eine ganz neue Bedeutung ;-).

Warum ich das Ganze erzähle? Nein, H. und ich haben uns nicht in einer Box kennengelernt und nein, das erste Aufeinandertreffen war auch wenig ers(c)hre(c)kend, aber ich habe in der Show etwas gesehen, das mich sprachlos vor dem Bildschirm zurückließ. An dieser Stelle wäre eine gute Gelegenheit, um sich Popcorn zu holen…

Wenn alles gut geht und die Paare auch einen ersten gemeinsamen Urlaub ohne innere und äußere Verletzungen überstanden haben, geht es schließlich Richtung Traualtar. Und damit dieses Ereignis die Einschaltquoten noch einmal ordentlich in die Höhe schnellen lässt, geben die besten Stylisten von hier bis Texas ihr Allerbestes, um die Braut und den Bräutigam in glanzvollem Licht erscheinen zu lassen und sie damit zumindest für den Hochzeitstag im Glauben zu lassen, dass sich die ganzen Strapazen ausgezahlt haben. Ich betone: Die besten Stylisten!!!!!! Sie suchen die Location aus, kümmern sich um die Deko, den Anzug für den Bräutigam und das Brautkleid für die Hauptperson des Tages (sorry, Schatz, damit musst du klarkommen). Und während die Bräute in den teuersten Läden die schicksten Kleider anprobieren und sich von ihren Begleiterinnen bewundern und mit Tränen der Rührung benetzen lassen, geht in einer Folge plötzlich der Vorhang auf, hinter dem sich die Braut umgezogen hat und heraus kommt …. *trommelwirbel* … eine wunderschöne Braut im schönsten Kleid, das ich je gesehen habe. In MEINEM!!!!!!

Sie hatte MEIN Kleid an! Versteht ihr? MEIN Kleid!!!! Und sie sah so verdammt gut darin aus, dass selbst ich sofort „Ja“ zu ihr gesagt hätte. Im ersten Schockmoment wollte ich H. schon rufen, damit er sich das Ganze ansieht, aber Gott sei Dank hat sich rechtzeitig mein Hirn eingeschaltet und ich habe ihm verboten, die restlichen Folgen anzusehen, was beinahe zur größten Krise unserer Beziehung geführt hat. Ich kann ihn verstehen. Wer versäumt schon freiwillig das Ende dieser grandiosen Show? Aber da muss er leider durch.

Ein kleiner Trost: In exakt 161 Tagen sieht er seine ganz persönliche Fiona im schönsten Kleid der Welt 🙂

2 Kommentare zu „Blind verliebt

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