Jasagen war noch nie so schön

Die Bilder im Beitrag lasse ich diesmal unkommentiert. Ich glaube, sie sprechen für sich. Ein großes Dankeschön an unsere wundervolle Fotografin Rossi Nedyalkova von RossArt Fotografie, die unsere Liebe perfekt eingefangen hat. Alle anderen Beteiligten, die unsere Traumhochzeit so traumhaft schön gemacht haben, werden in einem anderen Beitrag separat erwähnt :-).

Vor etwas mehr als neun Monaten haben wir diesen Blog gestartet. Neun Monate lang haben wir geplant, diskutiert, gelacht, geweint, gestritten, uns vertragen und am Ende eine Hochzeit organisiert, die rückblickend betrachtet schöner, berührender, emotionaler, unterhaltsamer und bewegender war, als wir es uns je hätten vorstellen können. Noch nie ist es mir so schwer gefallen, einen Blogbeitrag zu verfassen. Nicht, weil ich kein passendes Material dazu hätte, sondern weil ich auch fünf Tage später nicht weiß, wie ich dieses für uns unvergessliche Erlebnis in Worte fassen soll. Kennt ihr das? Ihr stellt euch etwas monatelang vor, plant jedes Detail, seht alles genau vor eurem inneren Auge und könnt förmlich spüren, wie sich bestimmte Szenen anfühlen, wenn sie erst einmal passieren? So erging es mir mit unserer Hochzeit. Es verging kein Abend, an dem ich in Gedanken nicht im Brautkleid auf H. zuging, in seine Augen sah und vor dem Altar zitternd seine Hand nahm. Ich stellte mir den Einzug unserer Kinder vor und konnte vor lauter Rührung manchmal gar nicht mehr weiterfahren, wenn ich gerade mit dem Auto unterwegs war. Allein das Anhören unseres Einzugsliedes führte dazu, dass ich Ganzkörpergänsehaut und Pipi in den Augen hatte. Man zählt die Monate, die Wochen, die Tage und am Ende nur noch die Stunden, bis es so weit ist, und wenn es dann passiert, vergeht alles so schnell, dass man sich wünscht, man könnte es nochmal erleben …

Aber alles der Reihe nach. Die letzten Stunden vor der Hochzeit kann man in Sachen Stresslevel in etwa so beschreiben: Meine Mathe-Matura war ein Sch*** dagegen! 😉 Am Tag vor dem großen Tag durften wir dankenswerterweise schon in die Location, um Sachen hinzubringen und ein paar Dinge herzurichten. An dieser Stelle ein Tipp an alle Paare, die sich bald trauen: Eine Hochzeit am Freitag hat riesige Vorteile! Einer davon ist der, dass am Donnerstag nur wenige heiraten und man deshalb schon in der Location aufbauen kann. Den zweiten Vorteil erläutere ich gegen Ende des Beitrags. Also dranbleiben! 🙂 Zusammen mit meiner Bonustochter, der besten Trauzeugin plus mindestens genauso bester Trauzeugin-Assistentin schleppten wir Kisten voller Zeugs in das Conference Center Laxenburg, um den Hochzeitstag selbst ruhiger angehen zu können. Kleiner Spoiler: Vergesst es! Die größte Herausforderung waren die geplanten Tischkarten in Form von Fotos der Gästen, die wir auf den Tischen platzieren wollten. Das Problem daran: Ich hatte keinen Plan, wie ein paar von Hs Gästen aussehen, also spielten wir lustiges „Wer ist wer“ Bingo in der Hoffnung, dass das Gesicht zum Namen passt. An dieser Stelle sorry, falls ihr nicht neben eurer Partnerin oder eurem Mann gesessen seid – war keine Absicht (außer, ihr habt es genossen :-)).

Während wir Dekosteinchen, Tischfotos, Tombolapreise und Co jonglierten, holte H. die Blumen von der Floristin unseres Vertrauens und Pizza. Niemand will eine hungrige Brautzilla um sich haben. Vertraut mir! Nach ein paar Stunden konnten wir langsam erahnen, wie es am nächsten Tag aussehen würde. Dachten wir zumindest, denn in Wahrheit war das, was uns erwarten würde, jenseits unserer Vorstellung! Aber auch hier gilt: alles der Reihe nach. Zuhause angekommen, stand noch Ausdrucken genialer Sitzkarten, Tischnamenskärtchen und Co auf der Tagesordnung. Und weil unsere Gäste seltsamerweise wissen wollten, wo am Tisch sie Platz nehmen dürften, musste auch der Tischplan finalisiert werden. Klingt einfach, ist es aber nicht. Damit wären wir auch schon bei Tipp Nummer 2 für zukünftige Brautpaare angelangt: Bittet eure Gäste eindringlich und mehrmals darum, euch Bescheid zu geben, ob sie beim Essen dabei sind oder nicht. Abgesehen vom lustigen Tischroulette, das ein Brautpaar schon mal mehrere Tage beschäftigt, möchte das Catering nämlich auch gern Geld für jedes einzelne Gedeck haben. Und denen ist überraschenderweise völlig egal, ob betreffendes Gedeck dann auch genutzt wird oder nicht. Kurzum: Wenn man dem Brautpaar dabei helfen möchte, Zeit, Nerven und Geld zu sparen, wäre das eine perfekte Gelegenheit dazu ;-).

Mein festes Vorhaben am Tag vor der Hochzeit lautete: Ich bin spätestens um 22 Uhr im Bett. Als ich um kurz nach Mitternacht meine Äuglein schließe, ist mein Nervenkostüm in etwa gleich dünn wie die Decke, unter der ich bibbernd versuche, im Wohnwagen nicht zu erfrieren. 6 Stunden später, in denen ich davon träume, dass ich beim Einzug hinfalle, alle Gäste absagen oder die Location abbrennt, wache ich durch das liebliche Hämmern und Bohren auf der Baustelle nebenan auf. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an den Bauherren, der seine Mitarbeiter bereits um 6 Uhr zum Hackeln „motiviert“. Gut, dann heiraten wir eben mit Pandaaugen. Passen wenigstens perfekt zum übrigen Grungelook Marke „Ein Zombie sagt Ja“. Nachdem ich einen panischen Hilferuf an meine Stylistin mit der Bitte, alles einzupacken, was ihr Schminkkoffer in Sachen Abdecksachen hergibt, absende, werden die letzten Sachen zusammengekrallt (in absoluten Zahlen 13 Taschen, vier Koffer und sechs Kleidersäcke) und es geht los. Falls diesen Blog übrigens Lektoratskollegen oder Germanisten lesen sollten: Ja, ich habe vom Präteritum ins Präsens gewechselt und hab gar kein schlechtes Gewissen deshalb! Das nennt man künstlerische Freiheit oder die Nachwehen des Brautseins, die alles besonders dramatisch schildern möchte 😛

Die Fahrt zur Location lasse ich hierbei unerwähnt. Nur so viel: Man kann für einen Weg, den andere in 20 Minuten absolvieren, ohne Probleme auch 35 Minuten brauchen. Trotz oder gerade wegen eines Navis. Völlig entspannt, wunderschön und in voller Blüte entsteige ich an der Location dem blank polierten Auto (auch DAS ist künstlerische Freiheit). Die Hochzeit selbst fasse ich ab sofort nur noch in Stichworten zusammen, weil ich sonst gar nicht mehr zum Arbeiten komme. So kann sich jeder gern selbst ein Bild davon machen, was am 16. September in Laxenburg passiert ist. Nur glaubt mir eines: Egal, was ihr euch vorstellt – die Realität war noch viel viel schöner ❤

Hier also die Zusammenfassung unserer Traumhochzeit: Herumgerenne, wirres Lachen, Verzweifeln, hysterisches Lachen, Folie, Vasendesaster, Fotos, doch nicht Fotos, zu wenig Fotos, falsche Fotos, beste Freunde, Regen, Sonne, Wolkenbruch, rein, raus (nö, nicht, wie ihr denkt), Seifenblasen, mit Seife, ohne Seife, falsche Sessel, keine Sessel, Dinnertische ohne Tischtücher, Dinnertische doch mit Tischtüchern, Tombolapreise, Wühlkiste, Fotobox, Karaoke für Anfänger, Trauzeugin, Trauzeugin-Assistentin, Trauzeugin, die Trauzeugin-Assistentin sucht, Trauzeugin-Assistentin, die Braut sucht, Torte ohne Blumen, Torte doch mit Blumen, M&Ms für jeden Platz, M&Ms nur für fast alle Plätze, Fotoshow am Bildschirm, Bildschirm, den jemand einschalten hätte müssen, liebliche Zurufe Marke „Verschwinde jetzt endlich!“ in meine Richtung, schminken, doch nicht schminken, später schminken, zuerst andere schminken, Panikattacke, Notfalltropfen, oben ohne, Make-up in Hülle und Fülle, rein ins Kleid, wieder raus aus dem Kleid, posen, zittern, auf die Uhr schauen, noch mehr zittern, heulen, in Reih und Glied, Einzugslied, los geht’s, Rückzieher, doch nicht Rückzieher, fuck, was mach ich da????, oh, da steht er ja, Gott, wie hübsch er aussieht, Glück, Freude, Liebe, was, ich singe wirklich? Kuss, hinsetzen, zuhören, nichts richtig mitbekommen, weinen, noch mehr weinen, alle weinen, lachen, freuen, zittern, festhalten, Kinder umarmen, Ja sagen, schmusen, pures Glück, Seifenblasen, Jubel, Auszug, wir haben’s getan!!!!, es regnet ja gar nicht, ab zum Fotoshooting, Drohne überm Kopf, Lächeln im Gesicht, Regentropfen, blauer Himmel, schmusen, schmusen, noch mehr schmusen, Weberknecht im Kleid, Freude in den Augen, Hunger, Zeitcheck, zurück zur Location, lautstarker Empfang der Gäste, Akkordknuddeln und Fotobeweise, herzen, umarmen, freuen, glücklich sein, kurz was mampfen, Brautstrauß werfen, ab in den Saal, hopsende Gäste am Weg zum Buffet, lachen, plaudern, wohlfühlen, Emotionen, Glück, Ansprachen, Fotobox, Karikaturist, Gemälde, genießen, tanzen, herumwirbeln, Karaoke singen, Freunde wiedersehen, Mann suchen, Mann suchen, Mann suchen (x100), wiederfinden, Hochzeitstanz, tanzende Kinder mit Sonnenbrillen, volle Tanzfläche, glückliche Gäste, Mann unterm Kleid, Lichterketten vor dem Fenster, Strahlen in den Augen, feiern, lachen, plaudern, genießen, nicht glauben können, großartig finden, Abschied nehmen, Erinnerungen festhalten, ins Bett fallen, überwältigt einschlafen, als Ehefrau aufwachen… vollends glücklich sein.

P.S: Ich schulde euch noch den zweiten Grund dafür, warum es von Vorteil ist, an einem Freitag zu heiraten: Man hat das ganze Wochenende zum Realisieren, Ausschlafen und bei Bedarf Ausnüchtern 😉

5 Kommentare zu „Jasagen war noch nie so schön

  1. Oooooh ja, es war traumhaft! Und dein Gequietsche beim Weberknecht unterm Kleid, den ich eigenhändig rausholen durfte, ist mir fast so stark in Erinnerung wie dein Singen, das unpackbar schön, romantisch und berührend war. ❤
    Kisses, die Trauzeugin

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    1. Liebe Sandra! Wir freuen uns wirklich sehr über deine lieben Glückwünsche und hoffen, deine Depri-Gnubbels-Phase gehört schon bald der Vergangenheit an. Ganz liebe Grüße und alles Liebe für dich und deine Familie ❤ Bussi, Conny und Harald

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